Psychiatrische (medikamentöse) Behandlung

„Auf dem Planeten Trillaphon…“

…so beschrieb der unter starken Depressionen leidende Autor David Foster Wallace die Wirkung des Antidepressivums Tofranil. Er fühlte sich darunter müde, entfernt, elektrisch aufgeladen. (Hier der Text, aber auf Englisch). Wallace litt an der schwersten Form einer Depression, und war daher trotz dieser Nebenwirkungen froh, dass „Die Üble Sache“ (The Bad Thing) mit Medikamenten zu behandeln war.

Die meisten Menschen sind skeptisch gegenüber Medikamenten, die die Psyche beeinflussen (Psychopharmaka). Das finde ich verständlich. Erschreckende Darstellungen, ob in Filmen oder vom Hörensagen, negative Berichterstattung in den Medien, die unkritische Verschreibungspraxis mancher Ärzte, und die Tatsache, dass die moderne Medizin unser seelisches Leid bisher nicht heilen konnte, tragen allesamt dazu bei. Viele befürchten, dass sich unter Psychopharmaka ihre Persönlichkeit verändern könnte. Dass sie dadurch abgestumpft werden. Dass sie ihrem Körper „mit Chemie“ schaden könnten, oder dass sie abhängig werden.

Auch in der Wissenschaft mehren sich Zweifel und Kritik. Es ist beispielsweise derzeit umstritten, ob Antidepressiva tatsächlich stärker wirken als Scheinmedikamente (Placebos). Und die Strategien der Pharmafirmen, die Umsätze ihrer Produkte zu erhöhen, sind mitunter dubios, reichen von marktschreierischer Reklame bis hin zu Datenmanipulation, Verschleierung von Problemen und Korruption.

Meine Erfahrung ist dabei die, dass in der Behandlung seelischer Probleme manchmal Medikamente eben einfach nötig sind. Und dass sie auch sicher genug sind. Und dass Medikamente wirklich vielen – wenn auch nicht allen –  helfen können. Zum Beispiel besser zu schlafen, sich weniger aufgeregt zu fühlen, eine bessere Grundstimmung zu haben, nicht so heftig schwankend in den emotionalen Reaktionen zu sein. Und wenn es mir gelingt, Ihnen alles gut zu erklären, wenn Ihre Sorgen angesprochen werden können, wenn Ihnen der Verschreibungsvorgang nachvollziehbar wird, und wenn vor allem das Medikament nur ein Teil eines übergeordneten Konzeptes ist, dann gibt es auch selten Probleme.

Manchmal sind Nebenwirkungen lästig. Nicht selten sind mehrere Versuche erforderlich, das passende Medikament zu finden. Aber in aller Regel geht es glatt, und gravierende Störwirkungen oder gar ernste Folgen sind die Ausnahme.

Mir ist in der medikamentösen Behandlung wichtig, dass Sie verstehen, worum es geht, und dass Sie sich in die Entscheidungen mit einbezogen fühlen. Grundsätzlich denke ich, Medikamente sollten so kurz wie möglich, und so lange wie nötig eingesetzt werden.

Wenn Sie unsicher sind, sprechen wir so lange und so oft darüber, wie Sie es brauchen.