Psychotherapie, einzeln und in Gruppen

Detaillierte Informationen über tiefenpsychologische Psychotherapie und meine Arbeitsweise finden Sie im Menüpunkt ‚Wie ich therapeutisch arbeite‘.

Gruppentherapie

Neben Einzeltherapie biete ich auch tiefenpsychologische Psychotherapie in der Gruppe an.

Vorurteile und Befürchtungen sind hier noch weiter verbreitet als bei der Einzeltherapie.

‚Gruppe? Och nö… Ich könnte mich nie gegenüber Wildfremden so öffnen, dass ich denen von meinen Problemen erzähl‘. Und was soll das auch bringen? Eher noch belasten mich doch die ganzen Schicksale, oder ich belaste die.‘

Solche Meinungen höre ich häufiger. Erfahrene wissen aber anderes zu berichten. Ich selbst bin ein großer Fan und Verfechter von Gruppentherapie. Als Behandlungsmethode wird sie oft unterschätzt, selbst von einigen Therapeuten. Korrekt ist, dass nicht jeder dafür geeignet ist, in der Gruppe behandelt zu werden. Die Vorurteile kommen aber nicht nur aus Karikaturen in Filmen und Sketchen, sondern wohl auch daher, dass mitunter irgendein Murks als Gruppentherapie verkauft wird, der in Wirklichkeit etwas anderes ist. Ein Lamentierclub, ein gemeinschaftliches Dreschen therapeutischer Phrasen, oder eine Art Telekolleg mit schlechten Flipcharts (‚Wie gehe ich mit meiner Depression um‘, o.ä.).

Gruppentherapie ist anders!

Gruppentherapie ist nachweislich wirksam, bietet ein viel größeres Lern- und Übungsfeld als die Einzeltherapie, und dem Teilnehmer sehr facettenreiche oder mitunter sogar kontroverse Rückmeldungen zu seinen Themen und Verhaltensweisen.

Wie läuft eine Gruppe konkret ab?

Es treffen sich 8 feste Teilnehmer, Männer und Frauen, mit unterschiedlichen Problemen und Charakteren, wöchentlich für mindestens ein Jahr zur immer gleichen Zeit, und tauschen sich möglichst rückhaltlos untereinander über das aus, was sie hier und jetzt bewegt. Themen werden vorher nicht vorgegeben. Es ist: frei. Jeder hat aber durch die Vorgespräche eine Vorstellung davon, was er oder sie herausfinden oder verändern möchte, und in welcher Weise er die Grupoe dafür nutzen könnte. Die Regeln sind minimal (90 Minuten, gemeinsamer Beginn und Ende, nur einer redet, keine Zensur, keine Gewalt). Ich als Therapeut beobachte und höre dann auf das, was gesagt und ausgedrückt, und worüber geschwiegen wird. Wenn ich es für sinnvoll halte, kommentiere ich etwas oder frage nach. Das kann etwas sein, was die Gruppe als ganzes betrifft, ein bestimmter Ablauf zwischen einzelnen Mitgliedern der Gruppe, oder etwas beim Einzelnen.

Wie wirkt Gruppentherapie?

Gruppentherapie ist ein lebendiges, dynamisches und emotional intensives Geschehen. In der Gruppe heilt und lindert und verändert der Fortschritt der Gruppe als Gesamtheit, nicht der Therapeut. Die Anwesenheit von so viel Lebenserfahrung, die Unterschiedlichkeit der Sichtweisen und der momentanen Verfassungen der Mitglieder, die wechselnden Allianzen und die Konfrontationen innerhalb der Gruppe erzeugen Vielfalt, Reichtum, Spannung. Die Kontinuität der Treffen hingegen, die zu zunehmender Vertrautheit und wachsender Offenheit untereinander führt, sowie der geteilte Wunsch, etwas bei sich zu verstehen und verändern, lassen Rückhalt in der Gruppe entstehen, der ermutigt und erleichtert. Jeder kann ‚live‘ in der Gruppe erleben, wie ihn die anderen wahrnehmen, welche Rolle er anstrebt und einnimmt, jeder kann etwas Neues ausprobieren und etwas wagen – sei es, einmal zu widersprechen, mal die anderen machen lassen, standzuhalten, oder mal jemanden ganz direkt seine Gefühle mitteilen.

Gruppe zwischen Utopie und Dystopie

Jeder Mensch hat in seinem Leben nicht nur gute Gruppenerfahrungen gemacht (z.B. der Sieg der eigenen Mannschaft, der ausgelassene Klassenausflug, familiärer Zusammenhalt, das tolle Arbeits-Team, eine solidarische Hausgemeinschaft, die Feierclique). Es gibt ja auch das Gegenteil: Ausgrenzung, Unterdrückung, Hänseleien, Feindseligkeiten, Fremdheit. Jeder hat schon ungute Situationen in Gruppen erlebt. Daher löst die Vorstellung einer ‚Gruppentherapie‘ bei den meisten auch Unbehagen aus. Manche stellen sich dann, teilweise unbewusst, eine Gruppentherapie  wie gemeinsames Sockenstricken, lähmende Konferenzen, eine Kaffeefahrt mit Fremden, eine Bühne für Selbstdarsteller, demütigenden Unterricht (‚Komnense mal an die Tafel, Meyer!‘), ein VHS-Seminar mit lauter schwierigen Teilnehmern, ein Tribunal, oder wie eine Saalschlacht vor.

Solche Vergleiche sind aber selten treffend, und das auch so gut wie nie für eine ganze Sitzuung. Es kann im Gegenteil ungemein befriedigend sein, sich beispielsweise überwunden zu haben, ein heikles Problem von sich angesprochen zu haben. Und dann festzustellen, dass andere einen nicht dafür kritisieren, sondern Verständnis zeigen. Dass andere sogar ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Und umgekehrt kann es sehr erhellend sein, etwas vermeintlich Selbstverständliches zu erzählen. Und dann auf Überraschung, Skepsis oder Neugier zu stoßen.

Nicht zuletzt bietet Gruppentherapie die Möglichkeit, zu sehen, zu fühlen, zu erkennen und zu lernen, ohne in jeder Situation direkt beteiligt oder im Blickpunkt zu sein. Wie komfortabel!

Auch bei der Gruppentherapie führe ich Vorgespräche, die Ihrer und meiner Orientierung dienen.

Wenn Sie sich überlegen, ob Gruppentherapie für Sie ein geeignetes Verfahren sein könnte, aber unsicher sind, rufen Sie mich gerne an.