Wie ich therapeutisch arbeite

Das kann Psychotherapie leisten

Viele suchen Psychiater und Therapeuten auf, weil sie frustriert, erschöpft, unglücklich oder dauernd gestresst sind. Vitamine und andere Hilfsmittel haben keine anhaltende Besserung gebracht. Vielleicht merken auch Sie, dass etwas nicht stimmt, dass Sie feststecken, in der Krise sind, sich schlecht fühlen, oder in wichtigen Beziehungen immer wieder ähnliche Schwierigkeiten und belastende Situationen erleben.

In einer Psychotherapie fragt man danach, was Sie selbst verändern können, damit es Ihnen wieder besser geht. Das Ziel einer Psychotherapie: Sie lernen sich selbst besser beobachten und kennen, um sich besser verstehen, respektieren und annehmen zu können  – davon bin ich überzeugt. Das ist oft Arbeit, manchmal sogar zäh und schmerzlich; geht aber fast immer auch mit Freude, Heiterkeit und mitunter großer Erleichterung einher.

Diese Toleranz und der Realismus sich selbst gegenüber hilft Ihnen dann auch dabei, andere Menschen klarer zu sehen, und mit ihnen zusammen zu sein, ohne sie allzu sehr durch die Brille Ihrer eigenen Wünsche und (oft zwiespältigen) Erfahrungen zu betrachten. Damit ermöglichen Sie sich mehr Handlungsfreiheit. Und Sie vertiefen auch Ihre Fähigkeit, sich mit anderen zu verbinden  und überkommene Bindungen wieder zu lösen.

Wenn Sie mehr Toleranz und Realismus sich selbst und anderen gegenüber entwickeln, können Sie sich selbst besser fordern, fördern und in Muße, Spiel und Kreativität erholen, so dass Sie sich besser ausbalancieren können. Die Erfüllung Ihrer Aufgaben und Vorhaben gelingt dann mit größerer Leichtigkeit.

Vertrauen als Basis der Zusammenarbeit

Damit Sie sich öffnen und über Persönliches und Heikles sprechen können, muss Vertrauen zwischen uns entstehen und lebendig gehalten werden. Dies geht nur im Zusammenspiel. Sie brauchen Mut, etwas von sich zu zeigen, was Sie vielleicht unansehnlich finden. Und ich als Therapeut muss Interesse, Präsenz, Wohlwollen und Geduld für Sie spürbar werden lassen, damit sich Ihre vielleicht insgeheim vorhandene Befürchtung verringern kann, wegen Ihrer Schwierigkeiten und Nöte kritisiert, abgelehnt, oder bevormundet zu werden. Ein ausreichend guter Therapeut ist aber bei aller Behutsamkeit echt in seinen Reaktionen und bringt auch genügend Distanz zu Ihnen auf, um Schwieriges wahrzunehmen und Unbequemes aussprechen zu können.

Das ist ein nicht immer störungsfreies Abenteuer. Aber oft entspringt sogar aus einem Missverständnis oder einem Unmut ein wichtiger Fortschritt.

Wie Psychotherapie ‚aussieht‘

Tiefenpsychologische Psychotherapie sind regelmäßige Gespräche, die im Sitzen und in aller Regel wöchentlich stattfinden, und 50 Minuten dauern (in Gruppen: 90 min.). Die Krankenversicherungen bewilligen auf Antrag des Versicherten die Stunden oft in ‚Paketen‘ zwischen 25 Stunden (Kurzzeittherapie) und 80 Stunden, je nach Umfang der Problematik und der Zielsetzung. Manche Versicherungen bezahlen pauschal 20 Stunden pro Jahr.

Welche formalen Schritte vorab nötig sind

Bei privaten Krankenversicherungen füllen Sie in der Regel ein Formular aus, mit dem Sie Psychotherapie beantragen. Dazu schreibe ich einen (anonymisierten) Bericht über die geplante Behandlung, der von der Krankenkasse in einem verschlossenen Umschlag an einen unabhängigen Gutachter weitergeleitet wird. Dieser ist selbst Psychotherapeut und verfügt über bestimmte Qualifikationen. Der Gutachter empfiehlt dann der Krankenkasse die Kostenübernahme. Dieses Verfahren dauert einige Wochen.

Falls wir im Verlauf der Therapie feststellen, dass Sie mehr Stunden brauchen als ursprünglich beantragt, können Sie einen Antrag auf Verlängerung stellen, den ich wiederum mit einem weiteren Bericht begründe.

Welche inhaltlichen Schritte vorher nötig sind

Nach einem oder mehreren Kennenlern-Gesprächen (Probatorik) sollte für Sie deutlich werden, ob Sie glauben, dass ich für Sie passend bin, und ob auch ich denke, Ihnen mit meinen Mitteln helfen zu können. Wenn wir uns handelseinig werden, einigen wir uns auf Ihr Hauptthema, umreißen ein mögliches Ziel, und legen eine Art Fahrplan fest. Wir sprechen dann im Rahmen einer Aufklärung über die Behandlungsregeln und den Rahmen der Therapie (Termine, Absagen, Urlaub, Beendigung und Abbruch der Behandlung, telefonische Erreichbarkeit, Notfälle). Wir sprechen auch über die ‚Packungsbeilage‘ einer Psychotherapie: Risiken, Nebenwirkungen, alternative Behandlungmöglichkeiten.

Falls nach den probatorischen Gesprächen keine Zusammenarbeit zustande kommt, kann ich häufig Empfehlungen für andere Formen der Hilfe und Unterstützung geben.

Wenn Sie gesetzlich versichert sind

Grundsätzlich behandele ich nur privat Versicherte und Selbstzahler.

Unter bestimmten Bedingungen ist aber auch eine Therapie im Kostenerstattungsverfahren für gesetzlich Versicherte möglich. Dies bedeutet, stark verkürzt, dass Ihre gesetzliche Krankenkasse Ihnen die Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung außerhalb der kassenärztlichen Versorgung erstatten muss, wenn die Aufnahme der Therapie

  •  nachweislich erforderlich und dringlich ist,
  • gleichzeitig nachweislich keine regulären Therapieplätze bei Therapeuten mit einem Kassensitz zur Verfügung stehen.

Sie haben noch Fragen? Rufen Sie mich an!

Oft hilft  ein Telefonat vorab, um Fragen rund um Therapieplatz, Anliegen und Rahmenbedingungen zu klären. Sie erreichen mich in der Regel abends zwischen 20:00 und 21:00, mittwochs zwischen 07:00 und 09:00, sowie häufig am Wochenende unter der Telefonnummer 0176-99821757. Sie können mir auch eine E-Mail schreiben: jg@praxisdrgoehring.de

Ich freue mich auf Sie!

 

Anhang: Theoretisches


Die Theorie der tiefenpsychologischen Psychotherapie geht auf die Psychoanalyse Sigmund Freuds zurück. Dieser sah unbewusste seelische Konflikte als eine Ursache vieler Leiden an, beispielsweise Depressionen, Ängste, körperliche Beschwerden oder Beziehungsschwierigkeiten. Neben seelischen Konflikten werden heute auch Entwicklungshemmungen und -mängel sowie seelische Verletzungen (Traumata) in die diagnostischen Überlegungen und die Behandlungsplanung einbezogen. Nach vielen Jahrzehnten Diskussionen, Neuentwicklungen und Renaissancen ist die tiefenpsychologische Psychotherapie heute noch immer – bei aller methodischer Vielfalt -im Kern ein ‚Austausch von Worten‘. Sie ist dabei das Unternehmen, durch gemeinsame Gespräche eine Veränderung herbeizuführen und zu begleiten. Sie ist auch der Versuch, unveränderlich Leidvolles gemeinsam zu ertragen, und Hoffnung darauf zu wecken, dass Entwicklung möglich ist; dass mehr Freiheit von inneren Zwängen und Verboten erlangt werden kann; dass verschüttete oder bisher verborgene Möglichkeiten und Ressourcen freigelegt, entfaltet und genutzt werden können.

Psychotherapie ist auch eine wirkliche Begegnung zweier (in Gruppen: mehrerer) Menschen, die miteinander im Austausch und im Gespräch nachvollziehbare Erfahrungen machen, auch solche der Anerkennung, des Verbundenseins, der emotionalen Wahrhaftigkeit, der Klärung, der Unterschiedlichkeit. Wenn bei solchen Erfahrungen bestimmte belastende Erlebnisweisen, die bei einem Menschen im Umgang mit sich und anderen immer wieder aufgetaucht sind, nun auch im geschützten Therapieraum beobachtbar und besprechbar werden, hat dieser Vorgang große entlastende, verdeutlichende und auch heilsame Kraft. Dazu unten später mehr.

Die tiefenpsychologische Psychotherapie interessiert sich in der Behandlung für einen bestimmten Brennpunkt (Fokus) im seelischen Gefüge eines erkrankten oder leidenden Menschen. Dies kann ein unbewusster Konflikt sein, ein unbewältigtes Trauma, oder auch eine bestimmte entwicklungsbedingte Schwierigkeit –  etwa der Umgang mit bestimmten Gefühlen, übermäßige oder mangelnde Selbstbeherrschung, Schwierigkeiten in der Kommunikation nach Innen und nach Außen etc. Üblicherweise wird dann im therapeutischen Gespärch gemeinsam betrachtet, was ein Mensch außerhalb des Therapieraums erlebt, was ihn beschäftigt, was er plant, worauf er hofft, welche Erfahrungen er mit sich und anderen macht, was ihm schwer fällt. Hier kann der Therapeut auf unterschiedliche Weise helfen. Mit Fragen, die eine Klärung herbeiführen können; mit Anteilnahme; mit Ermutigungen, mit dem Knüpfen von Zusammenhängen, oder mit Hilfe bei der Verdeutlichung bestimmter Gefühle. Aber auch das, was im Hier und Jetzt der Beziehung zwischen Therapeut und Patient geschieht, kann in der Vordergrund der gemeinsamen Betrachtung rücken. Dies steht mit dem Konzept der ‚Übertragung‘ in Zusammenhang. Dieses ‚Markenzeichen‘ der psychodynamischen Therapieformen bedeutet in der Therapie, stark vereinfacht, folgendes: Die Summe der unbewussten Erwartungen, Vorstellungen, Wünsche, Gefühle, Impulse, Erinnerungen, etc., die in einem gegebenen Moment in einem Menschen in Beziehung zu seinem Therapeuten aktiviert sind, wird ‚Übertragung‘ genannt. Menschen ‚übertragen‘ immer, insofern es sich dabei um die Anwendung innerer Programme und Arbeitsmodelle handelt. Diese sind unverzichtbar, insofern die Wirklichkeit zu komplex ist, und gleichzeitig ständig Entscheidungen gefragt sind, als dass man ohne solche hilfreichen Klischees, Näherungen, Skizzen, Stereotypen, Notprogramme oder Default-Einstellungen auskommen könnte. Übertragung stellt bildlich gesprochen die Sammlung von Landkarten für das soziale Terrain dar. Aber die Karte und das Terrain sind nie identisch. Und wie man bei Wanderungen häufig feststellt, können Karten zudem sogar zu grob, zu detailliert, fehlerhaft, veraltet, oder erst gar nicht vorhanden sein. Da unsere Übertragungen aber von unseren früheren Beziehungserfahrungen bestimmt sind, und sich unsere soziale Wirklichkeit im Kindesalter mitunter stark von der des Erwachsenenalters unterscheidet, kann es zu teils erheblichen  Fehlanpassungen kommen. Wenn Sie, wiederum bildlich gesprochen, in Kriegszeiten eine Landkarte eines Geländes anfertigen, werden Sie möglicherweise eher einzeichnen, wo man sich verstecken kann, oder auf welchen Routen man rasch entkommen kann. In Friedenszeiten sind aber Fluchtwege weniger gefragt, und möglicherweise übersehen Sie mit Ihrer Kriegskarte eine schöne Aussicht oder die ideale Lage eines bestimmten Grundstücks. Der umgekehrte Fall ist ebenso möglich, und ihre ‚Friedenskarte‘ hilft Ihnen nicht viel, wenn Sie sich schützen oder wehren müssen. Übersetzt heißt das, das wir unsere wunden Punkte, unbefriedigten Bedürfnisse, unsere Beziehungsängste, unsere Gewohnheiten nicht nur in Alltagssituationen erleben, sondern sogar an Alltagssituationen herantragen, ohne dass wir das jeweils bemerken könnten. Dazu ein Beispiel: Die (unbewusste) Haltung: ‚Ich muss mich immer stark beeilen und kurz fassen, wenn ich jemanden von meinen Sorgen erzähle, weil ich niemanden mit meinen Problemen belasten darf. Es wird den anderen schnell zu viel, und sie wenden sich ab, und das zu weh‘ kann solch eine Übertragung darstellen. Diese könnte außerhalb des Therapieraums bei Stress zu Enttäuschung, Gehetztheit und Einsamkeitsgefühlen im Umgang mit anderen Menschen führen, aber für den Betreffenden gar nicht als „Übertragung“ erkennbar werden. Dies wiederum liegt daran, dass sich die ‚Richtigkeit‘ der unbewussten Überzeugungen immer wieder durch Erfahrung zu bestätigen scheinen. In einer Psychotherapiesitzung können solche Phänomene nun, die innig mit der Geschichte eines Menschen verknüpft sind, und unbewusste Wiederholungen früherer Szenarien darstellen, nicht nur erkennbar gemacht und gemeinsam verstanden werden. Sie können auch geändert werden, beispielsweise durch die Erfahrung, dass sich doch interessiert wird, dass das Gegenüber sich nicht belastet fühlt, oder auch Belastendes erträgt –  und dass die eigene, einmal eingenommene Haltung unter ganz bestimmten historischen Umständen entstanden ist. Der seelische Niederschlag unserer Beziehungserfahrungen, das dynamische innere Abbild, das hilft und erfreut und unterstützt uns auch. Der Opa etwa, der uns immer freundlich und aufmerksam beim Spiel mit Bauklötzen zugeguckt hat, der beim Aufsammeln half, und der verstand, dass das Gebilde eine Bauernhof war oder werden musste, der bleibt ins uns verinnerlicht, ‚repräsentiert‘, und kann sich uns dann als unbewusste, aber lebendige Erinnerung mit angenehmen Empfindungen bemerkbar machen, wenn wir heute pfeifend eine Lasagne schichten oder ein Zelt im Garten aufstellen.

Neben der intellektuellen und emotional nachvollziehbaren Erkenntnis über gegenwärtige und frühere innere Abläufe stellt eine gelingende Psychotherapie daher auch geichzeitig den Raum für eine Korrektur früherer Erfahrung zur Verfügung, die als Erfahrung gleichzeitig so symbolisch wie real ist.

Unterschiede therapeutischer Verfahren

Von der Psychoanalyse unterscheidet sich tiefenpsychologische Psychotherapie durch kürzere Behandlungsdauer, Behandlung im Sitzen, stärkere Eingrenzung der Themen, und auch dadurch, dass weniger die Beziehung zwischen Therapeut und Patient im Hier und Jetzt im Blickpunkt des Interesse steht, als vielmehr die Beziehungen außerhalb des Therapieraums. Tendenziell ist der psychoanalytische Therapeut zurckhaltender, wobei es hier aber große individuelle Unterschiede gibt.

Die heutige Verhaltenstherapie interessiert sich zwar für eine gute und hilfreiche Arbeitsbeziehung, sucht aber nicht nach Spuren früherer Erfahrungen des Patienten in den Abläufen im Hier und Jetzt des Therapieraums. Sie ist häufiger stärker strukturiert, auf konkret Beschreibbares konzentriert, und damit auch für den Patienten transparenter als psychodynamische Verfahren. Früher waren die Gefühle und die dazugehörigen unbewussten Vorstellungen Alleinstellungsmerkmal psychodynamischer Verfahren. Dies scheint sich aber geändert zu haben. Aktuelle Konzepte und Trends in der VT sind – anders als früher – stark auf innere, und damit unsichtbare Vorgänge ausgerichtet, wie die Schema-Therapie nach J. Young, die emotionsfokussierte Therapie nach L. Greenberg, oder die dialektisch behaviorale Therapie nach M. Linehan.

Manche Forscher sagen, dass sich erfahrene Therapeuten in ihrer konkreten therapeutischen Praxis – auch über die Grenzen der verschiedenen Verfahren hinweg – stark ähneln. Es wird auch mitunter gesagt, dass sich in wissenschaftlichen Studien bei den meisten Therapeuten ein Zusammenhang zwischen ihrer Theorie und ihrer therapeutischen Praxis kaum belegen lässt. Dies gilt sogar dann, wenn die Therapeuten selbst eine starke Bindung an ihre jeweiligen theoretischen Konzepte angeben.

Die Frage, welche Wirkfaktoren in der Psychotherapie eher bedeutend, und welche weniger bedeutend sind, ist seit einiger Zeit in der Diskussion. Ganz schlicht denke ich persönlich, dass man sich einen Therapeuten suchen sollte, der zu einem passt, und, das halte ich für ist wichtig, bei dem man bereits in den Probegesprächen irgendetwas Hilfreiches und Unterstützendes vorfindet, sei es Ruhe, sei es Nüchternheit, sei es Anteilnahme, sei es Deutlichkeit. Auch wenn Wärme, Einfühlungsvermögen, Engagement und Humor immer wieder als Qualitäten eines Therapeuten ausgewiesen werden, und akademische Qualifikationen sicher kein Nachteil sind, bleibt die Passung zwischen Patient und Therapeut der zentrale Bestandteil gelingender therapeutischer Erfahrungen.